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Bergrettung: Wer zahlt im Ernstfall?

Zu Beginn der Wandersaison gibt es wieder mehr Freizeitunfälle in den Bergen: Schlechte Ausrüstung, das Überschätzen der eigenen Fitness und fehlende Orientierung sind die häufigsten Gründe dafür. Wenn es nicht mehr vor und zurück geht, muss die Bergrettung einschreiten, was mehrere tausend Euro kosten kann. Doch wer bezahlt diese Rettungsaktionen bis hin zum Helikoptereinsatz? Wann springt welche Versicherung ein?

Das Hauptproblem bei Freizeitunfällen im Gebirge ist, dass die Einsätze der Bergrettung durch die österreichische Sozialversicherung nicht gedeckt sind. Wer nicht zusatzversichert ist, muss alles selbst bezahlen. Bei einem Helikoptereinsatz sind das derzeit rund 90 Euro pro Minute. Gerechnet auf eine halbe Stunde, inklusive aller Zusatzkosten, sind es 3.500 Euro.

Bergung oder Transport

Viele sind jedoch bereits zusatzversichert, ohne es zu wissen, etwa durch Mitgliedschaft beim Österreichischen Alpenverein, dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) oder bei den Automobilclubs ÖAMTC und ARBÖ. Einen möglichen Versicherungsschutz bieten auch diverse Kreditkartenunternehmen. Wichtig wäre es allerdings, die genauen Bedingungen zu lesen, meint Viktoria Haider, Beraterin in Versicherungsfragen des Österreichischen Alpenvereins und des ÖSV. "Jeder Verein und jeder Club arbeitet mit einer anderen Versicherung, und jede dieser Versicherungen unterliegt anderen Bedingungen. Was beim einen Verein versichert ist, ist beim anderen Verein ausgeschlossen", so Haider.

Bei der Frage, ob die Zusatzversicherung einen Rettungseinsatz bezahlt oder nicht, muss man vor allem zwei Begriffe unterscheiden: Bergung und Transport. Eine Bergung wird bezahlt. Kommt es zu einem Transport, muss man die Kosten selbst tragen. Die Versicherungsexpertin erklärt den Unterschied: "Bergung heißt, ich befinde mich auf unwegsamem Gelände ohne Zufahrtsmöglichkeit. Dazu zählen Skipisten, Berggipfel und Wanderwege. Transport heißt, ich befinde mich auf einer befahrbaren Straße, auf der ich auch durch einen herkömmlichen Rettungswagen des Roten Kreuzes hätte abgeholt werden können."

Beispiel Schiunfall

Wie genau es die Versicherungsunternehmen mit diesem Unterschied nehmen, schildert Viktoria Haider anhand eines Skiunfalls: "Viele fahren mit Verletzungen noch bis zur Talstation ab. Wenn die Rettungsleitstelle aber einen Hubschrauber schickt, ist es keine Bergung mehr, sondern ein Transport." Trotz Zusatzversicherung muss der Betroffene den Einsatz dann selbst bezahlen. Hätte er auf der Skipiste gewartet bis der Helikopter kommt, hätte die Versicherung bezahlt.

Umgehen kann man eine solche Kostenfalle nur durch den Abschluss einer privaten Unfallversicherung, zu der die Versicherungsexpertin ausdrücklich jedem Bergsportler rät. Man könne damit unter anderem auch das Risiko einer möglichen Dauerinvalidität in Folge schwerer Unfälle abdecken. Je nach Ausmaß des Versicherungsschutzes würden diese monatlich zwischen 15 und 40 Euro kosten.

Zahlen auch bei Fehlalarm

Bergrettungseinsätze müssen übrigens auch aus der eigenen Tasche bezahlt werden, wenn man gar nicht in Not ist, also ein Fehlalarm ausgelöst wurde. Dies zeigt das Beispiel eines jungen Pärchens, das im Sommer letzten Jahres in den Tiroler Alpen eine Nachtwanderung machte. Im Tal beobachteten Menschen das Blinken ihrer Stirnlampen in der Nähe des Gipfels, deuteten es als Notruf und alarmierten die Bergrettung.

Der Fall landete am Schreibtisch von Viktoria Haider, schildert sie: "Das junge Pärchen wurde am Gipfel von den Bergrettungsleuten überrascht. Sie hatten nur vorgehabt, am nächsten Tag den Sonnenaufgang zu genießen und sind nicht einmal mit abgestiegen." Dennoch wurde die Rechnung über 2.164 Euro für neun Bergretter inklusive Nachtzuschlag zu den beiden nachhause geschickt. Die Rechtslage in einem solchen Fall ist eindeutig, sagt die Versicherungsexpertin: "Rettungseinsätze sind immer von den Personen zu bezahlen, die in einer vermeintlichen Notlage sind, auch wenn sie es tatsächlich nicht sind."

Das Pärchen hatte aber Glück: Mit Hilfe des Alpenvereins konnten man die Bergrettung davon überzeugen, Kulanz walten zu lassen. Der offene Betrag wurde durch den Bergrettungsfonds beglichen. Am besten sei es, das Risiko eines Bergrettungseinsatzes von vornherein zu minimieren, meint Viktoria Haider: "Wenn ich mich in den Bergen bewege, muss ich schauen, dass ich meine Route entsprechend meiner körperlichen Fitness wähle. Mindestens ebenso wichtig ist aber die richtige Ausrüstung."

Jonathan Scheucher, help.ORF.at